Lehrstück statt Leerstand

»Das ist ja nicht mit Geld zu bezahlen«, staunt Christine Wiese. Die 82-Jährige Noßdorferin glaubt fast, sie wäre in das Dorf ihrer früheren Jugend zurückgekehrt. 

Und als ihr Mann Harry mit seinen 86 Jahren vor dem Landauer auch noch die alten Namen vom Gutsverwalter Johann Schwarz und dessen Kutscher Wilhelm Dorn entdeckt, da scheint sich die Zeit für das Noßdorfer Ehepaar doch noch einmal zurückgedreht zu haben …

»Hahnenschrei & Dorfgezwitscher« – wie die Ausstellung im ehemaligen Schlecker-Laden heißt, so ist sie auch zu hören. Zwar kommen auch das Gurren, Muhen und Grunzen der Tauben, Kühe und Schweine von einer CD, aber inmitten der 100 menschlich wirkenden Puppen wird die Ausstellung zu einem lebendigen Museum. Das war für Bürgermeister Dr. Jürgen Goldschmidt während der offiziellen Eröffnung am Dienstag dieser Woche ein Grund zur freudigen Feststellung, dass es hier um mehr als nur die Leerstandsbeseitigung geht: »Hier haben die Noßdorfer ihre Geschichte und Tradition aufleben lassen. Im größten Forster Stadtteil ist die dörfliche Struktur noch immer gut erhalten und jetzt sogar im Zentrum und ganz im Sinne unserer Stadtgeschichte zu sehen. Ein bürgerschaftliches Engagement, das von unten her gewachsen ist und auch für andere Ortsteile eine Inspiration sein kann«, betonte er und wünschte der Ausstellung im 100. Jubiläumsjahr des Forster Rosengartens viele Besucher.

Für ähnliche Initiativen müssten andere Ortsteile dann allerdings ebenso über einen Puppenvater und Ausstellungsmacher verfügen, wie sich dazu Günter Andreck schon seit mehr als zehn Jahren mit Leib und Seele verschrieben hat! Denn mit seinen immer neuen Ideen, handwerklichem Geschick und Organisationstalent neben Familie und Beruf ist das einstige Dorf im Kreis Sorau Generationen später wieder zum Leben erwacht. Ein Lehrstück im Leerstand, das längst Vergessenes wieder Be- und Achtung schenkt.

(Bild und Text: U.O. Kohlstock, Textauszug aus dem Forster Wochenblatt Nr.: 6, 2013)