Besuch im Heimatmuseum in Noßdorf

"Die kenn ich", sagt Nico begeistert. Der achtjährige Schüler hat soeben ein paar alte Skier entdeckt. "Meine Oma mein Opa haben auch noch solche Dinger." Ein Mädchen findet das alte Kinderspielzeug aus dem Jahr 1925 toll. Besonders staunt die Siebenjährige darüber, dass die Leute früher auf Matratzen aus Stroh geschlafen haben und noch keine so schönen Bettdecken hatten wie die Menschen heute. Philipp steht besonders lange bei den alten Sensen. "Ich interessiere mich sehr für alte Sachen", sagt er selbstbewusst.

Die Zweitklässler aus GS Noßdorf beschäftigen sich dieser Tage im Sachkundeunterricht mit dem Thema "Das Leben früher und heute". Was liegt da näher, als das 500m entfernte Museum von Herrn Andreck zu besuchen. Dort hat er in mühevoller Klein- und Großarbeit  viele hundert Ausstellungsstücke zusammengetragen. Von A wie Ackermaschine bis Z wie Zentrifuge teilen sich auf mehreren Räumen landwirtschaftliche Maschinen und Geräte sowie hauswirtschaftliche Gegenstände den Platz. Alle haben trotz ihres unterschiedlichen Aussehens eines gemeinsam - sie gehörten irgendwann einmal zum bäuerlichen Leben auf dem Land. Herr Andreck hat viele davon, nachdem sie ihm angeboten worden waren, selbst eingesammelt - in alten Ställen, unkrautüberwucherten Hofecken, auf staubigen Böden oder in finsteren und feuchten Kellergewölben. Etliche Gerätschaften wurden gesäubert, repariert, generalüberholt, gepinselt und geölt, bevor sie in Betrieb genommen werden konnten. Es ist wie ein Fluch und Segen zugleich: Was dort liegt und steht, soll nach Möglichkeit auch funktionieren und archiviert werden, um den jungen Menschen zeigen zu können, wie die Bauern früher gelebt haben. Dafür sucht er noch aktive Helfer.

Kinderwagen, Wiegen, menschengroße Puppen in Trachten, Kochgeschirr, Schmiedearbeiten, Stall- und Feldgeräte, Urkunden, Fotos, Bücher, verschiedenes Saatgut, viele sehr alte Haushaltsgeräte, Spielzeug, Baumaterial und und und.

Und die Geschichten dazu! Kaum ein Ausstellungsstück, zudem Herr Andreck nicht etwas Interessantes zum Besten gibt. Und wenn es um Gerätschaften geht, die die Landarbeit erleichtert haben, fügt er meist noch hinzu: "Waren gar nicht dumm, die Bauern. Diese Tonflasche hat der Bauer einem Pferd mit Medizin ins Maul gesteckt, wenn es krank war und nicht fressen oder trinken wollte. Das eisenbreifte Ackerwagenrad dort drüben musste vom Stellmacher und Schmied bearbeitet werden. Mit dieser Wurfschaufel wurde die Spreu vom Weizen getrennt." Schon auf dem Mühlenfest erfuhren wir, dass der alte Dreschkasten 200 Umdrehungen in der Minute macht. In der Wäschemangel sich Steine befanden,  die insgesamt 480 Kilogramm wogen. Das eine Butterzentrifugen entwickelt wurde, worin die Bäuerin einen Liter Rahm hineingetan hat und sie davon am Ende ein halbes Kilo Butter bekam.

Die Klasse 2 ist mit ihrer Lehrerin, Frau Birnfeld, begeistert. So viele alte Dinge haben sie noch nie unter einem Dach gesehen. Wie begeistert die Mädchen und Jungen waren, steht jetzt im Gästebuch des Museums. Und alle Schüler haben ihren Namen darunter gesetzt. Nun können sie sich viel besser vorstellen, wie Ihre Vorfahren einst gelebt und gearbeitet haben. Gern wollen sie mal bei Ihren Großeltern stöbern und auch etwas von früher spenden.

Bevor die Schüler das Museum wieder verlassen, bleiben sie vor alten Schulsachen stehen. Unglaublich, was heute der Tintenlöscher ist, war früher der Schwamm. Wenn Oma etwas falsch geschrieben hatte, wurde es weggewischt. Allerdings musste Oma ein gutes Gedächtnis haben, denn auf ihrer Schiefertafel war längst nicht so viel Platz wie heute in Heftern und Büchern.

Nun werden sie noch die Mühle, den Imker, die Bäckerei und den Schuhmacher besuchen. Die Agrargenossenschaft mit der Rinderzuchtanlage und er Biogasanlage waren in der Klasse 1 ein großer Höhepunkt. In den Schulfächern wird das Gesehene und Erlebte einbezogen und vertieft. So ist der Unterricht in Noßdorf praxisorientiert und er macht auch ganz nebenbei noch Spaß.